zahme vögel singen von freiheit. wilde vögel fliegen...
"Vom Leben gefickt werden".
Das Zitat fand ich eigentlich immer total schäbig und ich habs einfach zu oft in irgendwelchen klischeehaften Hopper-Bunny-Profilen gelesen, aber zur Zeit fühle ich mich emotional nahezu durchgefickt. Das Leben fickt mich, ich fick das Leben. Normalerweise eher ausgeglichen.
Ich weiß, es war gegen die Abmachung mit meinem Therapeuten, es war gegen die Prinzipien, gegen meine persönliche innerfamiliäre Rebellion, aber ich bin gestern mit meiner Mutter und meinem Bruder nach Hause gefahren, nachdem er sie aus der Klinik abgeholt hatte. Ich konnte nicht anders, es lag so nahe.
Und oh, es hat so wahnsinnig geknallt. Irgendwie war es abzusehen, aber ich hab die Zündschnur in Brand gesetzt, glaub ich zumindest. Und ich wusste von Anfang an, dass ich es bereuen könnte bzw. wahrscheinlich sogar würde, aber manchmal muss man es erst erfahren, bevor man sicher sein kann.
Ich rede mir die ganze Zeit ein, dass dieser Streit in irgendeiner Weise konstruktiv gewesen wäre, aber mein Vater hat einfach nichts begriffen. Ich hab Du-Botschaften vermieden, auf der Gefühlsebene gesprochen und versucht zu betonen, dass es hier nicht um Schuldfragen geht, aber er hat einfach ALLES an sich abprallen lassen und sämtliche Hoffnungen in mir und in meinen Geschwistern zunichte gemacht. Es hat ihn tierisch wütend gemacht, als wir ihm dann doch vorgeworfen haben, er hätte seine Vaterpflichten vernachlässigt und uns immer das Gefühl gegeben, wir seien es nicht wert, mit ihm an einem Tisch zu setzen, und alles was er für uns übrig hatte war "Leckt mich am Arsch, ihr bekommt nur noch das, was ich euch geben muss und nicht mehr." usw., Bla bla bla, etc.
Keine Ahnung, ich bin einfach sowas von scheiße aggressiv gerade und war es auch eben beim Essen. Mein Vater war zwar gar nicht dabei, aber auf einmal wurde wieder JEDES beschissene Wort kommentiert oder bewertet und vor allem in Frage gestellt und bla, totale Eskalation und dann kam auch noch ein Satz, auf den ich mit allergischem Schock reagieren möchte "Du bist gerade genau wie Papa." Natürlich, ich habe dann "leck mich doch am Arsch" hinterhergeschoben und es war so oder so ein Fehler, weil das ja genau die Worte meines Vaters waren, aber wenn dich zwei Leute an die Wand stellen, dann kannst du nur um dich schießen und meine Mutter saß dumm und nichtstuend danebenen und ich wollte sie verdammt nochmal schütteln und anschreien und brüllen "Kannst du dumme Pute auch nur einmal dein feiges Maul aufmachen oder hast du immernoch NICHTS begriffen?" Stattdessen hat sie nur erschöpft vor sich hingeseufzt und ich bin aufgestanden und habe angekündigt, dass ich dankbar wäre, wenn jetzt nicht noch weiter über mich gesprochen würde, weil ich es nicht leiden kann und ich es sowieso IMMER mitkriege und Nils hatte nur den dämlichen Satz "Das ist mir scheißegal." übrig. Ich hätte treten und schlagen und schreien wollen, weil es genau DAS ist, was Herr Haferkamp meinte, weil es hier um Systembrüche geht und in diesem behinderten gestörten Familiensystem geht es nur um Be- und Entwertung und Gefühlstrampelei. Ja, ich bereue es hergefahren zu sein, aber ich trage die Verantwortung dafür und muss nun auch mit meiner Wut leben. Und es ist mir sowas von scheißegal, ob es für meine Familie "Flucht" ist, dass ich morgen früh um 8 den Zug nehme, weil es für mich bloß Selbstschutz bedeutet. Es ist doch einfach zum Kotzen.
19.2.09 20:01
 


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